Nach dem Keksdebakel brauchte ich ein Erfolgserlebnis. Es musste etwas her, das mir schmeckt, das gelingsicher ist und außerdem wollte ich etwas auf den Frühstückstisch zaubern. Für mich war klar: es musste was mit Hefe her!

Nun sind Hefe und ich nicht grade die dicksten Freunde. Die ersten zaghaften Annäherungsversuche haben dazu geführt, dass meine Backwaren eher steinharten Wurfgeschossen aus Mehl geähnelt haben. Nur langsam von Versuch zu Versuch haben sich die Teigzustände von steinhart in flaumig weich gebessert. Mittlerweile habe ich den Dreh ganz gut raus und ich traue mir zu Hefeteige zuzubereiten ohne dabei zittern zu müssen wie Espenlaub. Es gibt nur eine Sache, mit der ich gar nicht klar komme: Trockenhefe. Alles was ich mit Trockenhefe beginne, geht schief und ist wieder wurfgeschossähnlich. Ich bleibe lieber bei der frischen Hefe.

Als ich nun beschloss etwas mit Hefe zu machen, kamen mir sofort die Zimtschnecken aus dem Hause Barcomi in den Sinn (Schon wieder was von ihr?? Ja!!). Ich habe dieses Buch im Jahr 2009 zum Geburtstag bekommen. Das erste Rezept, das ich aufschlug, war genau dieses. Ich sah das Foto von den flaumigen, mit Zuckerguss überzogenen Zimtschnecken und dachte mir, DIE musst du mal backen! Dann las ich die genauen Zutaten und ich staunte nicht schlecht darüber. Kartoffelpüree im Teig??, dachte ich mir, na die Frau wird schon wissen was sie tut...

Gute 4 Jahre später weiß ich, dass dieses Rezept gelingsicher (zumindest für mich) und einfach nur herrlich ist! Es braucht lediglich Zeit... Diesen Teig mag ich auch deswegen so gern, weil er nicht so süß ist. Die Süße kommt vom Zuckerguss.

Zimtschnecke1

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Folgende Zutaten werden geknetet und nach einer gewissen Wartezeit ausgerollt:

- 650 g Mehl
- 35 g Zucker
- 3/4 TL Salz
- 40 g Rosinen (optional)
- 21 g frische Hefe oder 1 Päckchen Trockenhefe

weiters:

- 125 ml Kartoffelpüree
- 60 g weiche Butter
- 1 großes Ei
- 125 ml Buttermilch (Zimmertemperatur)
- 125 ml Milch (Zimmertemperatur)

Für die Füllung:

- 2 EL Zuckerrübensirup (hat man keinen, ist es auch kein Drama)
- 60 g Butter
- 1 EL Zimt
- 4 EL Zucker (ich nehme gerne 2 EL braunen Zucker und 2 EL Kristallzucker)

Für die Glasur:

- 2 EL Milch (ich brauche meist einen dritten EL)
- 70 g Staubzucker

Für den Teig etwa 125 g Kartoffeln weich kochen, abgießen und mit einer Gabel zerdrücken, bis ein glatter Brei entstanden ist. Solange der Brei noch warm ist, die weiche Butter hinzufügen. Eier, beide Milchsorten und die Hefe einrühren und gut vermischen. Die Zutaten sollten schon Zimmertemperatur haben! Trockenhefe kann gleich eingerührt werden, frische Hefe muss vorher in einem Schlückchen Wasser aufgelöst werdenund kommt dann erst zu der Masse.

Eine (große) Schüssel einbuttern. Mehl, Zucker, Salz (und evt. Rosinen) in einer Schüssel mischen und die Kartoffelmasse dazugeben. Mit den Knethaken des Handmixers alles gut verrühren, nur leider kann ich meine Knethaken nicht mehr finden aber ich schwöre dabei auf die Kraft meiner eigenen Hände und auf viel Fingerspitzengefühl *hüstel*.

Den Teig nun weiters auf der Arbeitsfläche etwa 5 Minuten kräftig durchkneten, bis er glatt und elastisch ist, in die eingebutterte Schüssel legen, mit einem Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen, bis er sich sichtlich verdoppelt hat. Nun gibt es ja verschiedene Möglichkeiten seinem Hefeteig Ruhe, Wärme und Entspannung zu gönnen. Es gibt drei Dinge auf der Welt, die Hefe gar nicht mag, und zwar: zu viel Hitze, Temperaturschwankungen und Zugluft! 

Klar, wir sitzen ja auch alle gern mal in der Sauna und da brauchen wir es auch nicht, dass da alle 2 Sekunden jemand rein oder raus geht und somit ständig die Türe offen ist. Man liest ja öfters von Leuten, die glückliche Hausbesitzer sind und einen eigenen Heizungsraum haben, wo sich der Hefeteig pudelwohl fühlt und vor lauter Freude fast schon aus der Schüssel quillt. Zu diesem auserwählten Kreis der glücklichen Hausbesitzer gehöre ich nicht. Alternative: das Bett. Und jetzt mal Hand aufs Herz: wer kuschelt sich nicht gern in ein warmes Bett? Ja, an dieser Stelle dürft ihr alle mal kurz lachen, aber es hat sich (bei mir) durchaus bewährt die Schüssel mit dem Teig ins Bett zu stellen, mit einer Decke zu umwickeln, Schlafzimmertüre zu und zu warten...

Für die Füllung Zimt und Zucker mischen und beiseite stellen. Die Butter mit dem Sirup schmelzen. Eine Springform (26cm) oder 12 einzelne Förmchen einbuttern. Dazu aber später mehr.

Nach der Gehzeit den Teig unsanft aus dem Schönheitsschlaf wecken und ihm gleich mal direkt fest eine reinhauen (ja genau, einfach mal kurz reinboxen) und auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben. Etwa 2 cm dick ausrollen, sodass ein Rechteck von etwa 30x35 cm entsteht.

Nun die Butter (mit oder ohne Sirup) auftragen und die Zimt-Zucker-Mischung großzügig darüber verteilen.
Den Teig vom nächstgelegenen Ende her gleichmäßig wie einen Perserteppich aufrollen und 3-4 cm dicke Scheiben abschneiden. Je nachdem wie man seine Schnecken backen will, in die Form setzen. So, laut Buch werden die Schnecken in eine Springform gesetzt, was aber eine ziemliche Quetschpartie wird. Der Platz reicht grade mal so mit viel drücken und schieben und quetschen aus, um alle Scheiben unterzubringen. Nach dem Backen sollen sie dann so geschnitten werden, dass die Ursprungsform der Zimtschnecken beibehalten wird. Ich backe meine Schnecken also lieber einzeln in Förmchen, denn dann brauche ich gar kein Messer.

Da ich so kleine Backförmchen nicht besitze, aber genug Dessertringe habe, ist das für mich die ideale Lösung. Natürlich können die Schnecken auch gemeinsam in eine Kastenform oder Auflaufform gelegt werden, aber da wäre dann wieder das Problem mit dem Schneiden.

Zurück zum Rezept... also... nachdem die Scheiben nun ihren Platz in welchen Backformen auch immer gefunden haben, nochmal eine halbe Stunde gehen lassen. In der Zwischenzeit den Backofen auf 190 Grad vorheizen.

Die Zimtschnecken etwa 30 Minuten auf mittlerer Schiene backen, bis sie goldbraun sind. Nach dem Backen 10 Minuten Ruhe gönnen und aus der Backform, bzw. aus den Förmchen nehmen.

Für die Glasur 2 (oder auch 3) EL Milch und 70 g Staubzucker verrühren und die Zimtschnecken damit beträufeln.

Diese Dinger so so herrlich weich und flaumig, dass man sich am liebsten daraus ein Bett basteln und reinlegen möchte. Der Teig ist (wie ich bereits erwähnt habe) nicht so süß. Wer es wirklich süß haben mag, gibt einfach mehr Glasur drauf.

Frisch schmecken sie natürlich am allerbesten, eh klar, aber selbst wenn sie am Vorabend zubereitet werden, sind sie in der Früh noch ein kleines Stückchen Himmel...