Dienstag, 21. Januar 2014

Chai Sirup

Erinnert ihr euch noch an mein Desaster mit den Chai Keksen? ICH schon! Noch heute bin ich davon traumatisiert! Bisher war meine Suche nach einem passenden Rezept zwar erfolglos, aber ich gebe nicht auf. Bis ich den heiligen Gral gefunden habe, versorge ich mich mit einem wunderbaren Chai Sirup, den ich bei nicest things gefunden habe. Schon damals habe ich erwähnt, dass ich Chai zu jeder Jahreszeit mag. Im Sommer darf er gern auch mal kalt auf den Tisch - man möge es mir bitte verzeihen. Schmeckt mir halt das ganze Jahr, was soll ich machen?

Mangels frischer Beeren und anderer Obstsorten, die mir ein farbenfrohes Backen und Einkochen verwehren, muss ich eben auf Gewürze zurück greifen, um mir irgendwie über die kalte Jahreszeit zu helfen. Was ich gar nicht verstehen kann, sind Hinweisschilder im Supermarkt auf denen steht "Es tut uns sehr leid, dass wir Ihnen aufgrund von Lieferschwierigkeiten derzeit keine frischen Erdbeeren anbieten können. Wir bitten um Ihr Verständnis!" ... äh... ja... verstehe... Erdbeeren so völlig außerhalb der Saison. Ich habe grundsätzlich kein Verständnis dafür, dass es "frische" Erdbeeren oder generell irgendwelche Beeren im Winter gibt! Beeren gepflückt aus dem Gewächshaus in Timbuktu oder sonst wo und auf Weltreise geschickt, nur damit uns das Gefühl vermittelt wird das ganze Jahr versorgt zu sein, sind halt nicht so mein Fall.
Ich warte auf den Sommer, folge bis dahin dem Ruf von Armor&Kartoffelsack und würze mich durch den Winter mit kräftigen Aromen!

http://amorundkartoffelsack.blogspot.de/2013/12/wurz-dich-durch-den-winter-blogevent.html

Würziger und kräftiger als mit einem Chai geht es wohl kaum mehr. Bisher bin ich nur einmal in meinem Leben in den Genuss gekommen richtigen Chai zu genießen zubereitet von einer Inderin. Es war vor einigen Jahren während meines Auslandsjahres in der Schweiz, als ich (und noch ein paar andere) bei einer Kollegin eingeladen waren. Die Truppe war international und wir haben ausgemacht, dass jeder eine landestypische Spezialität mitbringt. Damit nicht alle eine Hauptspeise bringen und wir uns am Ende gar noch den Gürtel oder den Hosenknopf öffen müssen, um nicht aus der Kleidung zu platzen, sprachen wir vorher ab wer was beisteuert zu unserem Multikultidinner. 

Besagte Inderin servierte uns zur Vorspeise eine Suppe, die ausgesprochen köstlich war. Am liebsten hätte ich den Topf ausgeleckt! Vielmehr war ich allerdings fasziniert von einem Geruch einer Duftwolke, die einen umhüllte, sobald man bei der Türe reinkam. Chai kannte ich bis dato nicht wirklich, daher war ich von diesem Duft wie hypnotisiert und er zog mich magisch an. Sie stand in der Küche und bereitete Chai zu zelebrierte die Zubereitung von Chai richtig. Ich konnte nicht genau sagen welche Zutaten sie dafür verwendet hat. Es waren so viele Aromen, die durch sämtliche Poren in meinen Körper eindrangen. Was sie uns dann zum Trinken servierte, schmiss mich wirklich vom Hocker. Worte fand ich zunächst keine dafür. Stattdessen saß ich nur wie gebannt auf dem Sessel und konnte nicht mehr aufhören zu trinken. Ich wollte mehr! Ich wollte darin baden! Ich wollte ein Parfum daraus machen! Ich wollte, dass mein Blut ausgetauscht wird durch Chai, der sämtliche meiner Adern mit Aromen versorgen sollte!
Chai par excellence wie ich ihn seither nie mehr bekommen habe, geschweige denn selber machen konnte! Ihr merkt also... ich trinke das Zeug echt gern.

Zwar löcherte ich sie mit Fragen nach den Zutaten und der Zubereitung, die sie mir auch eingehend beantwortete. Da ihre englische Aussprache nur leider etwas...äh... holprig war, verstand ich leider nicht alles. Aber ich konnte raushören was da so alles reinkommt, und dass es sich hierbei um ein altes Familienrezept handelt. Und wie das halt so ist mit den alten Familienrezepten: jede hat ihr eigenes! Angeblich gibt es dafür ja nichtmal ein fixes Rezept, sondern jeder tut das rein was ihm am besten schmeckt. Na, mir soll's recht sein, hauptsache würzig! Weiters erklärte sie mir noch, dass Chai die Bezeichnung für Tee in Asien ist. Und ihr stellt es wirklich die Nackenhaare auf, wenn jemand Chai Tee sagt. Chai ist ja schon Tee! Also bitteschön wer trinkt Tee-Tee? (Macht nix, dafür rollen sich die Zehennägel bei österr. Konditoren auf, wenn sie Bisquitteig hören. Aber egal, anderes Paar Schuhe!)

Ich war, nein, wir alle waren so dermaßen fasziniert von diesem Getränk, dass wir uns schweigend - weil im absoluten Chaidelirium schwebend - nur darauf konzentrierten, jeden Tropfen genießen wollten und dabei  vollkommen aufs Essen vergaßen. Am Ende des Abends blieb mir nur noch die Erinnerung an eine Tasse perfekt zubereiteten Chai. Nie wieder habe ich es geschafft Chai selbst zuzubereiten, der dem von damals auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Nie wieder. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich das Rezept für diesen Sirup fand, der dem Geschmack, den ich mir wünsche schon SEHR nahe kommt. Wahrscheinlich würde meine indische Kollegin Magenschmerzen bekommen, wenn sie wüsste wie ich das mit dem Chai jetzt so handhabe, aber sie muss ja nicht alles wissen, oder?!

Und falls jetzt noch jemand wissen will was ich damals mitgebracht habe: es war eine Sachertorte, für die ich das Rezept rausrücken musste! Wenn ihr also mal nach Spanien, Japan, Schweden, Polen, Kanada, Griechenland oder Italien kommt, euch dort eine Schokoladentorte vor die Nase gesetzt wird mit dem Kommentar "das ist eine Torte nach einem Rezept von irgendeiner Österreicherin", dann geht das auf meine Kappe!

chai (4)

Ich gehe jetzt jedenfalls... und trinke noch eine Tasse Chai... Geteilt wird in diesem Fall ausnahmsweise einmal nicht. Und falls mich jemand sucht: ich schwebe im Chaihimmel! *out of order*

chai (10)

Für den Sirup:

- 600 ml Wasser
- 200 g braunen Zucker
- 3 Beutel Schwarztee
(ich habe gerne Ceylon oder Assam...
aber je nach Belieben)
- 2 Zimtstangen
- 2 Sternanis
- 1 Vanilleschote
- 10 Kardamomkapseln
- 10 Nelkenstifte
- etwa eine 2 cm dicke Scheibe frischer Ingwer
- eine (feste) Prise Muskatnuss
- 1 TL gemahlener Zimt
- ein paar ganze Pfefferkörner (aber echt nur wenige)
(optional: - 1/2 TL Piment)

Das Wasser mit dem Zucker in einen Topf geben und aufkochen lassen. Die Teebeutel in den Sirup hängen. Die Vanilleschote aufschlitzen und das Mark herauskratzen.

Sämtliche Gewürze in den Sirup geben und für etwa 20 Minuten leicht köcheln lassen, zwischendurch umrühren. 

Die Teebeutel nach etwa der Hälfte der Zeit entfernen, damit der Sirup nicht bitter wird. 

Nach den gut 20 Minuten den Sirup durch einen Filter (Kaffefilter, Teefilter,...) gießen. 

Den Sirup in eine Flasche füllen und im Kühlschrank aufbewahren! (Hält angeblich eine Woche, ich weiß es nicht, denn so lange halte ICH nicht durch!)

Für eine Tasse nun entweder einen Teil Sirup mit zwei bis drei Teilen (heißer) Milch aufgießen, oder (wem das zu "schwer" ist im Magen) mit je einem Teil Milch und einem Teil Schwarztee aufgießen. 
Zum Servieren entweder mit Schlagobers oder Milchschaum anrichten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen