Sonntag, 11. Mai 2014

Erdbeer- Limetten Torte

Der Wecker klingelt. 8 Uhr. Ich springe aus dem Bett und wecke meinen kleinen Bruder. "Aufstehen! Es ist Muttertag!" befehle ich ihm. Er hat keine Wahl. Seine Augen stehen auf Halbmast und er blickt mich an, als wäre ich komplett irre geworden. Ich glaube, das würde er mich auch am liebsten fragen, wären Körper&Geist in der Sekunde nicht so müde. Aber mein Muttertagsargument ist einfach schlagend, also gehorcht er und kriecht aus dem Bett.

Er schlurft hinter mir her in Richtung Küche und wir beginnen den Tisch zu decken. Ein zauberhaftes Frühstück sollte es werden - zum Ehrentag unserer Mutter! So geräuschlos wie möglich versuche ich das Geschirr aus dem  Schrank zu holen und da kommt sie mir auch schon entgegen, diese doofe Schüssel. Wums, da liegt sie am Boden. Mein Herz rast, ich riskiere einen Blick in Richtung mütterliches Schlafgemach.

Puh, Glück im Unglück, Mama ist nicht wach. Oder sie ist es schon, aber sie will noch nicht aufstehen, ich weiß es nicht... Ich sage meinem Bruder, er soll sich um das Besteck kümmern. Und ich ermahne ihn, er soll es JAAA ordentlich machen, die Servietten nicht vergessen und das Messer rechts neben den Teller platzieren.

Das Geschenk, das wir tags zuvor noch besorgt haben, drapieren wir auf ihrem Teller, sodass ihr Blick gleich darauf fällt. Auch die selbst gebastelte Muttertagskarte, geschrieben in krakeliger Kinderhandschrift und spiegelverkehrten Buchstaben wird daneben hingestellt. Und dann fällt es mir ein, wir brauchen ja noch Blumen! Schnell schlüpfe ich in die nächstbeste halbwegs straßentaugliche Kleidung, die in Reichweite ist und laufe zum Blumenladen, der Gott sei Dank nur um die Ecke ist. Mein Taschengeld reicht gerademal für drei Rosen und ein bisschen Dekogrün, damit es nicht ganz so mickrig aussieht. Nie eine gerade Zahl Rosen kaufen, hat mir meine Mama beigebracht, also... dann eben drei Rosen.

Mit den Blumen in der Hand laufe ich zurück und hoffe, dass meine Mama noch nicht wach ist. Als ich wieder zu Hause bin, sitzt mein Bruder vor dem Fernseher und sieht sich die Ninja Turtles an. Zwar hatte ich gehofft, dass er weiter den Tisch deckt, aber ich schätze, dass meine Anweisungen nicht konkret genug waren er einfach noch zu müde war. Schnell scheuche ich ihn weg, denn wir haben ja noch was vor!

Wir schneiden Brot, holen Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank, richten Wurst und Käse her. Die Kunst des Kaffeekochens beherrsche ich bereits und so bereite ich mit viel Liebe (mehr als sonst) Kaffee für meine Mutter zu. In meinem Arbeitsrhythmus bekomme ich nicht mit, dass ich mittlerweile sehr laut bin und Krach mache, dass ich damit selbst einen Bären aus seinem Winterschlaf wecken könnte.

Und dann ruft sie mich. Verdammt. Jetzt ist sie wach. Verdammt. Das wollte ich doch nicht. Verdammt.
"Viktoriaaaaa?" höre ich sie rufen. "Jaaaaaa....?" frage ich möglichst unschuldig. "Was machst du?" - "Na... Frühstück.... für dich...." Ausschlafen am Sonntag, am Muttertag? Fehlanzeige!
Ich merke wie sich die Hektik in mir breit macht, ich meinen Bruder eigentlich nur noch wegschubse (er ist mir in dieser Sekunde echt keine Hilfe) und rasch die letzten Frühstücksutensilien auf den Tisch stelle, bevor meine Mama in die Küche kommt, um ihr Muttertagsfrühstück zu genießen.

Halbwach schleppt sie sich Richtung Küche und mein Bruder und ich stehen aufgereiht nebeneinander wie Zinnsoldaten, ganz brav und artig und gratulieren meiner Mama zum Muttertag.

Das alles war vor gut 15 Jahren... 

erdbeer_limette (4)

Hand aufs Herz, wer von euch kennt sowas auch?

Ich fürchte, dass so ziemlich jede Mutter dieses Szenario kennt. Entweder das, oder dass sie sich am Ende - trotz aller Bemühungen der Kinder - ihr Frühstück doch selbst machen muss. Auf jeden Fall ist ein Ausschlafen am Muttertag keiner Mutter vergönnt. Und das nur, weil die Kinder es besonders gut meinen.

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Aus dem Hotel Mama bin ich nun schon längst ausgezogen, sie muss daher nicht mehr die Angst haben unfreiwillig wegen Geschirrgeklapper von mir geweckt zu werden. Verwöhnt wird sie stattdessen von mir mit einer Torte. Ihr die vor die Nase zu stellen, ist auf jeden fall geräuschärmer. Dieses Jahr gab es eine Erdbeer- Limetten Torte - aus dem Buch von Annik Wecker Anniks Lieblingskuchen. Das Rezept habe ich etwas abgewandelt - im Original wird Creme Fraiche verwendet, ich habe stattdessen griechisches Joghurt genommen.

erdbeer_limette (1)

erdbeer_limette (2)

Für die Torte:
(20cm Durchmesser)

Für den Boden:

-50 g Butter 
- Abrieb von 2 unbehandelten Limetten
- 3 Eier
- 200 g Zucker
- 100 ml Milch
- 200 g Mehl
- 2 TL Backpulver
- 1 Prise Salz

Für die Creme:

- 4 Blatt Gelatine
- Saft von 3 Limetten (65 ml)
- 300 g griechisches Joghurt
- 150 g Obers
- 650 bis 700 g Erdbeeren
- 130 g Zucker
- 1 bis 2 schwache TL Stärke
- 4 EL Erdbeermarmelade

Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Backform fetten und bemehlen.

Mehl, Backpulver und Salz in einer Schüssel mischen. Die Butter schmelzen. Die Schale von 2 Limetten abreiben, den Saft von 3 auspressen. Insgesamt werden 65 ml Saft benötigt.

Für den Boden Eier, Zucker und Limettenabrieb schaumig schlagen. Butter und Milch mischen.
Abwechselnd die Milch- und Mehlmischung in die Eimasse rühren.

Den Teig nun in die Backform füllen und auf mittlerer Schiene etwa 30 Minuten backen. Stäbchenprobe nicht vergessen!

Den Boden vollständig auskühlen lassen.

Für die Creme die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Joghurt und 100 g Zucker verrühren. Die Gelatine ausdrücken und mit mit 40 ml Limettensaft bei schwacher Hitze unter Rühren auflösen. Einige EL vom Joghurt dazu geben, verrühren und dann zum restlichen Joghurt mischen. Etwa 20 Minuten in den Kühlschrank stellen, bis die Masse anfängt zu gelieren.

In der Zwischenzeit den Tortenboden halbieren. Um eine Hälfte einen Tortenring legen und mit 4 EL Marmelade bestreichen.

Obers steif schlagen und unter die Joghurtmasse heben.

Erdbeeren waschen, trocken tupfen und von den Stielen befreien. Einige Erdbeeren für die Deko beiseite legen, diese werden nicht entstielt. Ein paar Erdbeeren halbieren und mit der Schnittfläche nach außen von innen an den Rand des Tortenrings legen. Ganze Erdbeeren auf dem restlichen Boden verteilen, bis die gesamte Oberfläche bedeckt ist. (Nun bleiben definitiv noch Erdbeeren übrig. Die werden später püriert.)

Die Creme - bis auf einige EL - auf dem Tortenboden verteilen und glatt streichen. Die zweite Hälfte des Tortenbodens darauf legen und leicht andrücken. Die übrigen EL der Creme darauf verteilen.

Nun die restlichen Erdbeeren pürieren. Wer keine Kerne möchte, streicht das Mus durch ein Sieb.
Das Erdbeermus nun mit dem restlichen Limettensaft, dem übrigen Zucker (30 g) und der Stärke in einen Topf geben und unter Rühren so lange erwärmen, bis die Masse leicht eindickt.

Den Deckel nun kreisförmig mit der Sauce beträufeln. Mit einem Löffel nun vorsichtig die Sauce verteilen, sodass ein Marmormuster entsteht, aber nur so viel, dass nicht alles miteinander vermischt ist!

Die Torte nun in den Kühlschrank stellen - mindestens 4 Stunden, am besten über Nacht.

Zum Servieren den Tortenring lösen und mit den beiseite gelegten, nicht entstielten Erdbeeren dekorieren.

Fazit: Ich bin froh, dass ich Joghurt statt Creme Fraiche genommen habe, denn so schmeckte die Torte wesentlich leichter und erfrischender. Leider kam die Limette nicht so stark zur Geltung, wer es also gern sauer hat, muss mehr Saft nehmen!

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