Donnerstag, 4. September 2014

Grießpudding mit Himbeersauce

Es war mal wieder einer dieser Tage, an dem man noch vor dem ersten Augenaufschlag im Bett haargenau weiß Das wird heut nix! und das Leben einem an diesem Tag noch kräftig eines reinwürgen wird. Aber es hilft alles nix, aufstehen muss man trotzdem.

Angefangen hat alles damit, dass ich eigentlich einen freien Tag genießen und eine Torte backen wollte. Aber ihr wisst ja wie das mit dem Wort eigentlich immer so ist. Ich habe mir extra nichts vorgenommen, damit ich den ganzen Tag Zeit habe und wie es oft so ist... man hat einen Plan, nur das Leben leider einen völlig anderen.

Früher als sonst war ich wach, als ob mein Unterbewusstsein es schon vorausgeahnt hätte. Das war der Moment, an dem ich zum ersten Mal an mit dem Gedanken spielte mich für den restlichen Tag tot zu stellen. Denn kaum hatte ich die Augen offen, um am Handy nach der Uhrzeit zu sehen, kam ein Anruf. Die Arbeit. Verdammt. Vor 8 Uhr in der Früh heißt so ein Anruf nie was Gutes. Im Gegenteil. Das ist ganz, ganz übel. Nicht, dass ich nicht gerne in die Arbeit gehe, ich liebe meinen Job. Aber Spontananrufe um so eine Uhrzeit sind immer ein böses Omen.

Natürlich schaffte ich es nicht den Anruf zu ignorieren und insgeheim wusste ich auch schon was kommt. Es konnte gar nicht anders sein. Und? Bingo!
"Guten Morgen. Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich um die Zeit schon stören muss, aber könntest du vielleicht vorbei kommen. Ich brauche deine Hilfe!" 
"Klar. Wann?"
"Äh... am besten jetzt!"
Tief durchatmen, Viktoria, ganz tief durchatmen.
"Sicher... ich bin am Weg!"
Mist.

Also, aufstehen, anziehen und irgendwie in die Arbeit kommen. In der Arbeit verbrachte ich dann mehr Zeit als ich wollte, die zu allem Überfluss dann auch nur semiperfekt lief. Aber haha, der war gut, denn eigentlich wollte ich an dem Tag ja keine einzige Sekunde dort verbringen. Und mit dem Backen hatte ich auch noch nicht begonnen. Aber macht ja nichts, dachte ich mir, passt du deinen Plan halt ein bisschen nach unten an. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass daraus gar nichts werden sollte...

Wesentlich später als geplant schaffte ich es irgendwann endlich nach Hause. Genau, irgendwann. Denn irgendwann war es schon vollkommen egal, ob es 11 Uhr vormittags war oder bereits 14 Uhr nachmittags, die Zeit reichte vorne und hinten nicht mehr aus.

Ich überlegte also fieberhaft welchen Kuchen ich noch schnell aus dem Boden stampfen könnte, ohne dabei allzu verzweifelt zu wirken, aber keines der wahrscheinlich 100.000 Rezepte in meinem Kopf stellte mich wirklich zufrieden. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Kuchen, den ich aus der Hüfte schieße irgendwie lieblos und übereilt wirkt und das wollte ich auf gar keinen Fall. Denn - und das ist für mich das Drama an der ganzen Sache - es war der Geburtstag meiner Mama! Meine Mama hat Geburtstag und ich habe allen Ernstes keine Geburtstagstorte und auch keinen Geburtstagskuchen für sie! Das ist wirklich einer der schwärzesten Tage in meiner ganzen Hobbybäckergeschichte! Natürlich hätte ich bereits am Vortag vorarbeiten können, aber nein, ich verfolgte strikt mein Motto "Nur unter Druck enstehen Diamanten!" (Ein Satz, der mich während meines Studiums ständig begleitet hat, wenn ich mal wieder mit den Seminararbeiten oder mit dem Lernen viel zu spät begonnen habe.) und nun hatte ich den Salat.

Aber gut, ich wäre ja nicht ich, könnte ich nicht improvisieren und so holte ich Eier, Butter und Zucker raus. Und das Mehl... dieses verdammte, staubige Zeug! Wie so oft war meine linke Hand schneller als die rechte und dann war es auch schon zu spät. Eben hatte ich das Mehl noch in der Hand und in der nächsten Sekunde fand ich es am Boden... und in jeder noch so kleinen Ritze. Das war eindeutig kein guter Tag. Spätestens hier fragte ich mich zum zweiten Mal an diesem Tag, ob ich mich tot stellen sollte.

Es kommt bei mir nicht oft vor, dass ich ein Backvorhaben ganz bleiben lasse, aber manchmal muss auch ich einsehen, dass ich nicht immer mit dem Kopf durch die Wand laufen kann. So holte ich den Staubsauger raus, beseitigte das Chaos und warf mich schwer wie ein Kartoffelsack auf die Couch... ohne Kuchen.

Ich verließ mich darauf, dass meine Mama Verständnis hat für die fehlende Geburtstagstorte und wollte an diesem Tag an keine Torte und an keinen Kuchen mehr denken. Meine Stimmung war ohnehin schon so derartig im Keller, weil es mich so geärgert hat, dass ich nun wirklich ohne Geburtstagstorte bei meiner Mama aufkreuzen muss, dass nicht einmal ein beherzter Griff mit dem Esslöffel ins Nutellaglas (das große, versteht sich von selbst) meine Laune heben konnte. Nutella, der treue Wegbegleiter, Trostspender, Stimmungsaufheller, Energielieferant und Soulfood hat diesmal auf der ganzen Linie versagt.

Grießpudding, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Aber gibt es überhaupt Soulfood, das mich vergessen lässt wie besch....eiden der Tag war? Nicht so eines, das Wärme spendet an einem kalten, verregneten Tag. Nein, ich meine Soulfood, das mich anlacht und sagt "Hey, Kopf hoch! Morgen scheint wieder die Sonne!" Soulfood, in das ich mich am liebsten reinlegen möchte. Ja! Gibt es! Und zwar in Form von Grießpudding! In den kann man sich zwar nicht reinlegen, dafür aber genüsslich verspeisen und vielleicht sogar wieder lächeln.

Herrlich! Nur leider kam er einen Tag zu spät, denn genau so einen Trostspender hätte ich gebraucht, um mich aus meinem temporären Stimmungstief wieder rauszuholen. Das nächste Mal, wenn ich bereits vor dem Aufstehen weiß, dass das mir das Leben mal wieder einen Strich durch die Rechnung machen wird, mache ich mir gleich in der Früh als erste Amtshandlung einen Topf Grießpudding, und zwar einen ganz großen! Nur mal so zur Vorbeugung!

Grießpudding, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Und für alle, die nun wissen wollen wie mein Tag geendet hat:

  • Meine Mama war mir natürlich nicht böse, dass ich keine Torte mitgebracht habe, aber ich habe ihr noch eine versprochen, eh klar... oder? 
  • Wir hatten einen lustigen Abend und ich habe viel mit ihr und meiner Tante, die auch da war, gelacht.
  • Meine Laune war dann wieder so gut, wie es kein Glas Nutella der Welt je schaffen würde! 
  • Meine Mama hat mich auch ohne Torte lieb! 

Grießpudding, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Für 3 bis 4 Gläser: 

- 300 ml Milch
- 200 ml Obers
- 80 g Zucker
- 60 g Grieß
- das Mark 1/2 Vanilleschote
- 1 EL Butter
- 1 Ei
- 1 Prise Salz

- ca. 300 g Himbeeren 
- 3 bis 4 EL Zucker
- frische Himbeeren für die Deko
- gehackte Pistazien für die Deko

Das Ei trennen und das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen.
Das Eigelb mit ein paar EL der Milch glatt rühren.

Die restliche Milch, Obers, Zucker, Grieß und Vanille in einen Topf geben und aufkochen lassen. Dabei ständig rühren, damit der Grieß nicht anbrennt. Wenn der Grieß etwas aufgequollen ist, den Topf vom Herd nehmen und das Eigelb einrühren.

Die Masse ein paar Minuten abkühlen lassen, dann den Eischnee unterheben.

Den noch warmen Grießpudding auf 3 bis 4 Gläser verteilen.

Für die Sauce die Himbeeren pürieren und durch ein Sieb streichen, um die Kerne zu entfernen. Das Fruchtmus mit dem Zucker verrühren und auf dem Grießpudding verteilen.

Vor dem Servieren mit frischen Himbeeren und gehackten Pistazien dekorieren.

1 Kommentar:

  1. Ich muss mir den Begriff Soulfood mal merken :-)
    Das kann ich bestimmt öfter mal gebrauchen ...

    Gruß,
    Jens

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