Mittwoch, 22. Oktober 2014

Striezel (Hefezopf) - klassisch, aber gut!

Einen weichen Striezel kann ich das ganz Jahr essen, nicht nur zu Ostern. Für einen flaumigen Striezel frisch aus dem Ofen stehe ich sogar in der Früh extra auf, um einen Teig anzusetzen, damit ich zum Frühstück in ein warmes Stück reinbeißen kann.

Der Weg dahin war aber beschwerlich und steinig. Ich habe ja schon mal erwähnt, dass Germteig und ich früher nicht so dicke Freunde waren.
Wie oft saß ich vor der Schüssel und hüpfte wie ein Cheerleader herum, er möge doch bitte endlich, endlich größer werden. Aber nichts da. Nada. Wie ein kleines bockiges Kind benahm er sich, das aus Protest genau das NICHT macht, was es soll. Nur davon ließ ich mich in der Regel selten unterkriegen (was ich immer wieder bereuen sollte) und arbeitete stur weiter. Ich holte den - wohl gemerkt keinen Zentimeter gewachsenen - Germteig aus der Schüssel, zwang ihn in die Länge und er mich meistens in die Knie. Mit einer Mischung aus Wut und Hoffnung wanderte dieses Etwas in den Ofen und heraus kamen bestenfalls Wurfgeschosse. Trocken, hart und höchstens brauchbar als Munition im Kampf gegen die bösen, bösen Kommentare und  Fragen was denn hier passiert sei. Die Reue kam immer zu spät und ich war nur noch frustriert... Hätte ich damals auf meinen Bauch gehört und diesen Teigklumpen nicht jedes Mal aufs Neue in den Ofen geschoben, hätte ich mir wohl viel Ärger erspart.

Striezel, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Mittlerweile haben wir unser Kriegsbeil aber begraben und der Germteig tut eigentlich immer was ich will. Manchmal meint er allerdings ein bisschen zu gut mit mir.
Ich knete und massiere ihn, er tut mir im Gegenzug den Gefallen und geht ordentlich auf. Ich bereite ihm ein warmes Bettchen und er lässt sich von mir problemlos verarbeiten und klebt nicht. Tolles Team, wir zwei, oder?
Ich knete, rolle, forme und schiebe ihn in den Ofen und dann wird der gute Germteig manchmal ein wenig übermütig und geht auf - und zwar ordentlich. So stark, dass ich das Gefühl habe, dass das Backblech zu klein sein könnte. In meditativer Haltung sitze ich dann vor dem Backrohr, linse durch die Scheibe hinein, bete und hoffe inständig, dass das Wachstum nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite irgendwann abgeschlossen ist. Nicht, dass mich jemand falsch versteht. Germteig MUSS ja ordentlich aufgehen, auch beim Backen. Aber irgendwann ist einfach Schluss mit lustig, denn die Raumkapazität meines Backofens ist irgendwann ausgeschöpft. Ok, so arg ist es nicht, aber diesmal war es schon hart an der Grenze...

Striezel, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Eigentlich wollte ich den Striezel zum Fotografieren auf mein Holzschneidbrett fürs Brot legen. Kennt ihr, oder? Diese Bretter mit so einem Rost für die anfallenden Brösel. Tolles Teil, einfach in der Handhabung, perfekter Untergrund für einen Striezel, um ihn in Szene zu setzen. Ach, das Bild in meinem Kopf war einfach zu schön.
Nur habe ich die Rechnung leider ohne Triebkraft meines Striezels gemacht. Denn der ist so stark aufgegangen in alle Richtungen, dass er nun doppelt so groß ist wie mein Brett und egal wie ich es gedreht und gewendet habe, das Brett passt einfach nicht unter den Striezel. Gut, dann gibt es eben Fotos ohne Schneidbrett, dafür mit einem überdimensional großen Striezel, der kaum aufs Bild passt! Man kann schließlich nicht alles im Leben haben, aber zumindest einen guten Striezel...

Striezel, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Striezel, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Ich flechte meinen Zopf immer mit 6 Strängen, weil mir das Muster so am besten gefällt. Youtube sei Dank ist das auch gar nicht schwer zu lernen. Denn das Videoportal für gefährliches Halbwissen birgt das eine oder andere hilfreiche Video, durch das man so nützliche Dinge lernen kann wie z.B. Striezel flechten. Ich musste mir das Video zugegebenermaßen mehrmals ansehen, bis ich kapiert habe welchen Strang ich über welchen legen muss, aber irgendwann hab ich es verstanden und mittlerweile flechte ich den Striezel fast blind. Übung macht bekanntlich den Meister, also schaut es euch an, es lohnt sich in jedem Fall!

Rezepte für Striezel tummeln sich ja so einige im Netz und in den Koch- und Backbüchern. Ich habe mir das für mich perfekte Rezept mal irgendwo rausgeschrieben und backe meinen Striezel nur nach diesem Rezept. Ich bin damit glücklich und zufrieden und ich hoffe, ihr auch!
Und bevor ich nun zum Rezept komme, hier noch ein kleiner Hinweis: gut eingewickelt und luftdicht verpackt, bleibt der Striezel auch zwei, drei Tage flaumig, weich und trocknet nicht so rasch aus!

Striezel, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Für einen Striezel:

- 500 g Mehl
- 1/2 Würfel frische Germ/Hefe (=21g)
- 100 g Butter
- 2 Eier
- 75 g Zucker
- 250 ml Milch 
- eine großzügige Prise Salz
(- optional: Abrieb einer halben, unbehandelten Zitrone)

- 1 Ei zum Bestreichen 

Die Butter zerlassen. Milch leicht erwärmen und Germ darin auflösen. Die Milch sollte dabei nur lauwarm sein!

Alle Zutaten in eine große Schüssel geben und mit den Knethaken des Mixers oder mit den Händen zu einem geschmeidigen, glatten Teig kneten. Das dauert gut 10 bis 15 Minuten.
Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er nicht mehr an den Händen klebt und elastisch ist.

Mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort ohne Zugluft eine Stunde auf das doppelte Volumen aufgehen lassen.

Nach der Gehzeit den Teig aus der Schüssel nehmen, nochmal kurz durchkneten und portionieren. Wenn ihr einen Zopf mit 3 Strängen flechten wollt, braucht ihr - logisch - nur 3 Teile. Für einen Zopf mit 6 Strängen könnt ihr dieser Anleitung folgen ab Minute 1:40 etwa.

Den Zopf auf ein Backblech legen nochmal für eine halbe Stunde abgedeckt rasten lassen.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Das Ei verquirrlen und den Zopf damit bestreichen.
Auf mittlerer Schiene etwa 35 Minuten goldbraun backen. Wird der Zopf zu schnell braun, könnt ihr ihn während der Backzeit mit Alufolie abdecken.

Nach der Backzeit dem Striezel auf einem Rost vollständig auskühlen lassen.

Kommentare:

  1. Liebe Viktoria,
    ein Striezel geht wirklich immer! Am besten noch schön warm mit Butter...mhhhh:-)
    Dein Striezel sieht lecker und toll aus. Das Flechten mit 6 Strängen muss ich mal ausprobieren.
    Viele liebe Grüße
    Sia

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    1. Liebe Sia,
      ja... am liebsten warm mit Butter und dazu eine Tasse heiße Schokolade! Ein Traum!

      LG

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  2. Hallo Victoria,
    dein Hefezopf (so würde ich das jetzt auf "norddeutsch" nennen) sieht wirklich toll aus. :-)
    Bei uns gibt es den traditionell an Ostern. Da werde ich nächstes Mal auch das Flechten mit 6 Strängen ausprobieren, danke für den Tipp!
    Liebe Grüße, Venda

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    1. Liebe Steffi,
      ich flechte meinen Zopf nur noch so, weil es mir mittlerweile so leicht von der Hand geht (Hat aber einige Versuche gebraucht *g*)
      Und du weißt ja, wie das mit uns Österreichern ist... für alles brauchen wir ein anderes Wort! :D

      LG

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    2. nicht _wir_ brauchen andere Worte :-P

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  3. wirklich tolles Rezept !! mittlerweile schon dreimal gebacken :)

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  4. Weder Rosinen noch Hagelzucker? *Augenbraue hochzieh* :-P

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