Donnerstag, 18. Dezember 2014

Gebrannte Mandeln

Kommt es mir nur so vor, oder öffnen die Weihnachtsmärkte jedes Jahr ein bisschen früher ihre Pforten? Und kommt es mir nur so vor, oder gibt es von Jahr zu Jahr mehr Weihnachtsmärkte? Irgendwie spießen die an allen Ecken und Enden aus dem Boden wie aus dem Nichts, plötzlich sind sie einfach da. Wirklich. Jede größere Straße in Wien beherbergt derzeit einen Weihnachtsmarkt. Naja, so hat man wenigstens die Qual der Wahl auf welchem Weihnachtsmarkt man sich das abendliche Glühweinbesäufnis antun möchte...

Ich muss da echt mal meine Mama eingehend befragen, aber ich bin der fixen Ansicht, dass es in meiner Kindheit wesentlich weniger Weihnachtsmärkte in Wien gab, der berühmteste ist aber wohl der am Rathausplatz.

gebrannte Mandeln, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Meine frühesten Weihnachtsmarkterinnerungen reichen zurück bis ins frühe Kindergartenalter und sind gespickt voll mit Zuckerwatte, kandierten Früchten, häferlweise knallsüßem Kinderpunsch und riesengroßen Ofenkartoffeln mit einer unmenschlich würzigen Knoblauchsauce (meistens auch genau in dieser Reihenfolge).
Aber ich sage euch, den meisten Spaß hat man am Rathausplatz sowieso als Kind. Denn da kann man im Rathaus in die Bastelstuben rein, die extra für den Jungspund aufgebaut werden und irgendwelche Sachen bemalen, irgendwas zusammenbauen, Kekse ausstechen, irgendwas basteln oder irgendwas zusammenkleben, während die Eltern mit den Nasen auf den Fensterscheiben kleben und dem Nachwuchs dabei zusehen wie es in aller Ruhe und fernab jeder Hektik weihnachtlichen Klimbim bastelt. Selbstverständlich werden die gebastelten, gemalten, geklebten oder ausgestochenen Kunstwerke mitgenommen, die man stolz präsentiert und verkündet, dass diesem Prachtexemplar also die große Ehre gebührt das  diesjährige Weihnachtsgeschenk für die Oma zu sein.

gebrannte Mandeln, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Ich muss gestehen, dass in den Jahren danach - also während der gesamten Schulzeit - der Rathausplatz seinen Reiz verloren hat, denn irgendwann ist man zu alt, oder zu groß (oder beides) für die Bastelstuben und von der Zuckerwatte bekommt man bestenfalls nur noch Bauchschmerzen... und irgendwie sind dort sowieso immer zu viele Leute. Überall Menschen, Menschen, Menschen, die sich gegenseitig auf die Zehen steigen, den Glühwein über Hände, Schuhe und Jacken gießen. Und die größte Menschenansammlung findet man - na, wer weiß es? - beim Punschstand. Oh, welch große Überraschung...

Mit den Jahren hat sich allerdings ein großes Problem entwickelt: zwar ist das Angebot an Weihnachtsmärkten stetig gewachsen, damit aber auch proportional die Besucherzahl. Denn irgendwann findet man auf jedem Weihnachtsmarkt, und sei er auch noch so klein, überall Menschen, Menschen, Menschen. Es ist ein Trauerspiel.
Denn der Wiener, das Hordentier rottet sich jährlich im Advent zusammen, um in unüberschaubaren Rudeln auf jedem Christkindlmarkt der Stadt aufzuschlagen und sich mal durch das gesamte Punschsortiment zu saufen.

gebrannte Mandeln, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Tja, und in Momenten wie diesen lernt man altbekanntes wieder schätzen und lieben. Denn der Rathausplatz hat einen unschlagbaren Vorteil: er ist groß!
Soll heißen, die Gänge sind breiter, sodass man nicht jedem Besucher auf die Zehen steigt, sondern nur jedem zweiten. Ist ja auch nicht so unwichtig, wenn man ein Misanthrop ist und außerdem ein dezentes Problem hat mit zu wenig Platz.
Außerdem hat er einen weiteren unschlagbaren Vorteil: die überlebensnotwendigen Stände (also Punsch/Glühwein, diverses Zuckerzeugs und ungesundes Junkfood) sind immer an derselben Stelle. Ich schwöre euch, das ist so sicher wie die stille Nacht heilig ist und alles schläft und einsam wacht. Das geht teilweise sogar so weit, dass sich diese Stände nicht einmal optisch verändern. Die sehen wirklich jedes Jahr gleich aus! Der Wiener ist nicht nur ein Hordentier, sondern vor allem auch ein Gewohnheitstier und plötzliche Veränderungen von einem Advent zum nächstens verträgt er gar nicht. Wenn er also der Lieblingsglühweinstand plötzlich nicht mehr an der gewohnten Stelle vorfindet, kann das den Wiener schon mal in ein tiefes Loch der Depression stürzen. Nein, das ist sehr überspitzt, ganz so arg sind wir Wiener nicht drauf, aber dass gewisse Dinge seit Jahren so beständig sind, gibt zumindest mir persönlich ein Gefühl von Sicherheit. Denn so weiß ich ganz genau wo ich was zu essen bekomme, kurz bevor ich dazu tendiere mich wegen einem ungestillten Gefühl in der Magengegend in einen Hulk zu verwandeln oder wo ich meine Kehle wieder mit Glühwein befeuchten kann, um diverse Fressalien und/oder Süßigkeiten runterzuspülen.

So weiß ich zum Beispiel, dass relativ in der Mitte seitdem ich denken kann ein Süßigkeitenstand ist, der so ziemlich alles verkauft was viel und noch mehr Zucker hat - Hauptsache ungesund. Schräg gegenüber befindet sich dort seit einigen Jahren ein Stand, der Raclettekäse verkauft. Ich bilde mir ein, dass der früher nicht dort war, denn die Duftnote ist sehr, äh... sagen wir mal... speziell. Stinkikäse eben. Nicht, dass mich jetzt jemand falsch versteht. Ich mag Käse und je mehr er stinkt, desto besser. Aber ich halte für gewöhnlich nicht meine Nase in Richtung Raclette und denke mir Mmmmhhhh, Weihnachten. Stellt man sich nämlich genau in die Mitte dieser beiden Stände, bekommt man abwechselnd einen Schwall Käsenote und eine Duftwolke von gebrannten Mandeln ab. Interessant wird es allerdings erst, wenn beide auf einmal kommen. (Nicht zu empfehlen, kann ich euch nur sagen!) Lieber strecke ich meine Nase in Richtung Süßigkeiten und bewundere den riesigen Berg an gebrannten Mandeln, der in der Auslage liegt.... und ja, meistens nehme ich eine Tüte davon mit.

gebrannte Mandeln, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Wer allerdings keine Lust bloß wegen den gebrannten Mandeln zum Weihnachtsmarkt zu fahren, der macht sie ganz einfach und ganz schnell zu Hause selbst. Man braucht nur wenige Zutaten und auch nur wenig Zeit, bloß ein Auge, um den richtigen Moment abzupassen. Aber es ist wirklich nicht schwer - Ehrenwort! Und die ganze Aktion hat noch einen positiven Nebeneffekt: eure Wohnung riecht danach so richtig schön nach Weihnachtsmarkt! Herrlich, oder?

Für  die gebrannten Mandeln:

- 200 g ganze Mandeln
- 100 ml Wasser
- 200 g Zucker
- 1 1/2 TL Zimt
(- optional etwas Vanille)

Bereitet schon mal ein Backblech vor, das ihr mit einem Backpapier belegt.

Alle Zutaten in eine große Pfanne geben und zum Kochen bringen. (Die Pfanne sollte wirklich groß sein!)

Unter Rühren so lange weiterkochen lassen, bis das gesamte Wasser verdampft ist. Der Zucker wird jetzt bröselig und legt sich um die Mandeln.

Jetzt müsst ihr euch entscheiden. Wollt ihr den Zucker so krümelig haben, schüttet die Mandeln auf das Backpapier und trennt sie so gut es geht voneinander.

Wer die Mandeln lieber glasiert haben will, der reduziert nun die Hitze und rührt weiter, bis der Zucker beginnt sich zu  verflüssigen und die Mandeln gleichmäßig umhüllt.

Nun die Mandeln auf das Backblech streuen und rasch voneinander trennen, da sie stark aneinander kleben. ACHTUNG! Der Zucker ist extrem heiß, greift also bloß nicht zu früh hin!
Die Mandeln nun vollständig auskühlen lassen.

Ich finde, dass sie am nächsten Tag am besten schmecken, da sie dann wieder knackiger sind.

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